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Vertrauensbildende
Maßnahmen
Meerschweinchen
sind von Natur aus ängstliche Fluchttiere. Sie müssen
lernen, Menschen zu vertrauen. Machen sie von der Geburt an ausreichend
positive Erfahrungen mit Menschen, wachsen sie im Allgemeinen zu
aufgeweckten, unternehmungslustigen Gesellen heran, die nichts zu
leicht aus der Ruhe bringt. Aber leider haben nicht alle Meerschweinchen
die Gelegenheit, ein solches Grundvertrauen in Menschen vom ersten
Tag an aufzubauen. Es kann daher notwendig sein, dass man sich das
Vertrauens seines Meerschweinchens erst mühsam erarbeitet.
Das ist ein Prozess, der zwar einige Monate lang dauern kann, der
aber die Mühe auf jeden Fall lohnt, wie ich aus eigener Erfahrung
weiß. So ängstlich, scheu und in sich gekehrt das Tier
auch anfangs ist, irgendwann erreicht man bei jedem Meerschweinchen
den Punkt, an dem es Vertrauen fasst. Die einzige Voraussetzung
ist, dass man genug Geduld und Zeit aufbringt bzw. aufbringen kann.
Man kann auch bei Meerschweinchen-Senioren, die man aus zweiter
Hand übernimmt, noch wahre Wunder bewirken, aber man muss sich
immer bewusst sein, dass sich nicht immer schnell Erfolge erzielen
lassen.
Der
wichtigste erste Schritt ist, dass das Meerschweinchen genug Vertrauen
aufbringt, um Futter aus der Hand zu nehmen. Man muss es langsam
an die Anwesenheit des Menschen gewöhnen, an die Berührung
durch den Menschen (Handzahmtraining),
aber auch an die menschliche Stimme und Alltagsgeräusche. Wichtig
ist, dass man dem ängstlichen Tier die Möglichkeit gibt,
selbst Einfluss auf sein Schicksal zu nehmen, damit es lernt, dass
das Leben nichts ist, das ihm immer nur passiert. Man kann das zB
dadurch erreichen, dass man dem Meerschweinchen die Möglichkeit
gibt, das Ende einer Kuscheleinheit selbst festzulegen ("Schoßrein"-Training)
oder indem man den täglichen Freilauf
so gestaltet, dass das Tier selbstständig aus dem Käfig
kommt und auch selbstständig wieder in den Käfig zurückkehrt.
Eine
gute Möglichkeit, Meerschweinchen an die menschliche Anwesenheit
zu gewöhnen, ist, sich einfach zum Käfig oder Gehege zu
setzen, mit den Tieren zu sprechen und ihnen gelegentlich auch einen
kleinen Leckerbissen zu gönnen. Nachdem Fressen (insbesondere
das Heufressen) bei Meerschweinchen auch eine soziale Komponente
hat, kann man, wenn der Käfig in der Nähe eines Esstisches
steht, auch leicht beobachten, dass die Tiere zu fressen beginnen,
wenn man sich zum Essen setzt. Auch diese gemeinsame Nahrungsaufnahme
wirkt sich positiv auf die Beziehung zwischen Halter und Meerschweinchen
aus.
Wenn
man für die Gewöhnungsarbeit Futter einsetzt, muss man
sich dabei immer bewusst sein, dass Meerschweinchen sehr schnell
futterforderndes Verhalten zeigen,
wenn sie zutraulich werden. Es ist bei sehr scheuen Tieren zwar
eine positive Entwicklung, wenn man von ihnen angebettelt wird,
aber es kann auch lästig werden, wenn es überhand nimmt.
Deshalb sollte man nicht zu regelmäßig mit Futter arbeiten.
Meerschweinchen haben die Angewohnheit, Leckerbissen, die sie an
drei aufeinanderfolgenden Tagen bekommen, als fixe Einrichtung zu
betrachten und vehement zu fordern.
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