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Innenhaltung versus Außenhaltung
von Marion Reich
Vielen Dank an P. und A. Mühling (www.muehlbergschweinchen.de) für das Foto der Außenhaltung!

DinihEs gibt kaum ein Thema in Bezug auf Meerschweinchenhaltung, das die Halter so deutlich in zwei Lager spaltet, wie die Frage, ob Innenhaltung oder Außenhaltung die "bessere" Haltungsform für Meerschweinchen ist.
Während die Befürworter von Außenhaltung diejenigen belächeln, die ihre Tiere in Innenräumen halten und ihnen den Zugang zur "Natur" verwehren, betrachten die Befürworter der Innenhaltung Meerschweinchen in Außenhaltung durchaus misstrauisch und möchten ihren Tieren diese Haltungsform, besonders bei lange anhaltendem Regenwetter oder im Winter, nicht zumuten.

Yvonne Mann hat im folgenden Beitrag die wichtigsten Punkte der Außenhaltung zusammengestellt.
Ich werde mich an dieser Stelle um einen möglichst objektiven Vergleich der beiden Haltungsformen bemühen.

Zunächst entscheidet Ihre Wohnsituation über die Möglichkeit zur Außen- oder Innenhaltung. Wenn Sie in einer Wohnung wohnen, wird sich die Frage nach Außenhaltung nicht stellen. Das heißt aber nicht, dass Sie sich nicht ruhigen Gewissens für Meerschweinchen als Haustiere entscheiden können. Die Meerschweinchenhaltung ist zwar nicht so unaufwändig, wie sie gerne dargestellt wird, wenn sie den Bedürfnissen der Meerschweinchen möglichst gut entsprechen soll, aber sie ist in Innenhaltung sehr wohl meerschweinchengerecht umsetzbar. Zahlreiche Tipps dazu finden Sie bei den Tipps zur Haltung und der Gestaltung von Eigenbauten.

Wenn Sie einen Garten Ihr Eigen nennen, könnte Außenhaltung für Sie in Betracht kommen, allerdings abhängig von der Größe und Beschaffenheit des Gartens, von den klimatischen Bedingungen in Ihrem Wohnort und auch von der Zahl an frei lebenden Raubtieren (inklusive Katzen) in Ihrer Umgebung.
Wenn Sie den Garten nur gemietet haben oder wenn Sie Mitglied in einem Kleingartenverein sind, erkundigen Sie sich bitte vor der Errichtung des Außengeheges, ob der Vermieter einverstanden ist bzw. ob die Satzungen des Vereins eine solche Anlage gestatten. Je nach Größe des geplanten Außengeheges ist eventuell bei der Gemeinde auch eine Baugenehmigung einzuholen.

Platzangebot
Der größte Pluspunkt der Außenhaltung ist sicher, dass man den Tieren viel mehr Platz und auch einen abwechslungsreicheren Lebensraum zur Verfügung stellen kann. Wobei das Platzangebot allein aber noch nicht darüber entscheidet, ob ein Gehege meerschweinchengerecht ist, denn es kann noch so groß sein, wenn die entsprechende Strukturierung und ausreichende Unterschlupfmöglichkeiten fehlen.
Andererseits hat es nichts mit artgerechter Haltung zu tun, wenn man einfach einen handelsüblichen "Kaninchenstall" in den Garten stellt. Zur Außenhaltung gehört schon wesentlich mehr (siehe Fotobeispiele).

Gruppengröße
Wenn man sehr große Gruppen halten möchte, wird man mit dem benötigten Platzangebot in Innenhaltung schnell an die Grenzen stoßen, es sei denn, man wohnt in einer sehr großen Wohnung oder einem sehr großen Haus.
Andererseits ist man in der Innenhaltung vollkommen flexibel, was die Gruppengröße angeht. Die meisten Meerschweinchenhalter entscheiden sich doch "nur" für kleine Gruppen von zwei bis drei Tieren und diese Gruppengröße ist für Außenhaltung zu klein. Bei der Außenhaltung ist eine größere, sozial stabile Gruppe Voraussetzung, mindestens vier Tiere.

Versorgung der Tiere
Sie möchten sich Meerschweinchen anschaffen, vielleicht weil die Kinder Ihnen schon so lang damit im Ohr liegen, und möchten den mit der Haltung verbundenen Schmutz aber nicht im Haus haben? Dann klingt die Außenhaltung doch nach dem optimalen Ausweg? FALSCH!
Die Versorgung der Tiere in Außenhaltung ist besonders bei schlechtem Wetter wesentlich unangenehmer und aufwändiger als in Innenhaltung, sogar wenn Sie die Tiere "nur" von Mai bis Oktober im Garten haben. Das regelmäßige Ausmisten entfällt auch nicht, nur weil man die Schmutzmacher in den Garten verbannt hat. Da Meerschweinchen sehr empfindlich auf Feuchtigkeit und daher auch auf nasse Einstreu reagieren, ist regelmäßiges Ausmisten eine der Grundvoraussetzungen der Meerschweinchenhaltung!

Aber auch wenn Sie sich für Außenhaltung entscheiden, weil Sie der Meinung sind, dass sie meerschweinchengerechter ist, dürfen Sie diesen Punkt nicht unterschätzen. Auch die Versorgung im Krankheitsfall ist in Innenhaltung bedeutend leichter. Tiere in Außenhaltung (oder auch in Kaltstallhaltung) kann man während kühler oder kalter Witterungsphasen nicht einfach ins Warme holen, sie dort im Krankheitsfall versorgen und dann wieder hinaussetzen. Die Meerschweinchen müssen dann bis Mai etwa (je nach Wetterlage) im Haus bleiben und können erst dann wieder zur Gruppe zurück. Natürlich kann ein Meerschweinchen nicht so lange allein bleiben, also muss zumindest ein Partnertier mit im Warmen sein und trotzdem müssen - während der kalten Jahreszeit - noch mindestens vier Tiere in Außenhaltung verbleiben, es sei denn, Sie holen alle ins Haus. Und nachdem diese Meerschweinchen dann einen relativ großen Lebensraum gewöhnt sind, brauchen sie auch im Haus entsprechend viel Platz!

Kontakt zu den Tieren
Wie die Versorgung ist auch der Kontakt zu den Tieren bzw. der Beziehungsaufbau zwischen Mensch und Meerschweinchen in der Außenhaltung aufwändiger.
Will man Meerschweinchen bei einem Züchter, der seine Tiere in Außenhaltung hält, erwerben und hat aber vor, diese Tierchen in Innenhaltung zu halten, sollte man bedenken, dass es sein kann, dass die Tiere auf normale Alltagsgeräusche im Haushalt (anfangs) sehr ängstlich reagieren, einfach weil sie sie nicht kennen.

Das soll jetzt aber nicht heißen, dass Meerschweinchen in Außenhaltung nicht zutraulich werden. Es ist einfach eine andere Art der Beziehung, die Meerschweinchen leben "wilder" und vielfach wird der Tierkontakt mehr durch Beobachten bestehen oder man muss viel Zeit im Außengehege verbringen.

Wetter/Feuchtigkeit
Der größte Minuspunkt der Außenhaltung ist meiner Ansicht nach das Wetter bzw. die Feuchtigkeit. Natürlich ist das regional sehr unterschiedlich, aber im Wiener Raum "freuen" wir uns doch einen Großteil des Jahres über Feuchtigkeit. Im Winter kann es kalt und feucht, kalt und trocken, nicht so kalt, dafür sehr stürmisch oder nicht so kalt, aber regnerisch sein. Im Sommer ist es zeitweise warm bzw. heiß und feucht, zeitweise heiß und trocken. Und im Frühling und Herbst ist es ebenfalls häufig ziemlich feucht.
Wildmeerschweinchen leben in einer Klimazone, die große Schwankungen der Tagestemperatur aufweist, sodass Meerschweinchen kalte Temperaturen durchaus gut tolerieren, allerdings ist das Klima im Allgemeinen ziemlich trocken und nicht übermäßig heiß. Daher können Meerschweinchen besonders auf Feuchtigkeit und Hitze empfindlich reagieren - und natürlich auch auf feuchte Kälte!
Um dem entgegenzuwirken, ist ein entsprechend großes Außengehege mit verschiedenen Rückzugsmöglichkeiten, die vor Regen, Wind und Sonneneinstrahlung schützen, notwendig. Und es braucht einen Halter, der bei jedem Wetter seine Tiere auch tatsächlich gut versorgt!

Meerschweinchen sind keine Kaninchen!
Während Kaninchen in Innenhaltung nur mit sehr großem Aufwand und vor allem Platzangebot zu halten sind und normalerweise in Außenhaltung deutlich glücklicher leben, gilt das für Meerschweinchen nicht unbedingt. Wildkaninchen stammen ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und haben sich von dort über weite Teile Europas verbreitet - daher sind sie an die klimatischen Bedingungen in unseren Breiten auch besser angepasst.

 

Für welche Haltungsform Sie sich entscheiden, Sie muss zu Ihnen und zu Ihren Tieren passen!
Es stimmt nicht, dass in Innenhaltung keine halbwegs artgerechte Meerschweinchenhaltung möglich ist (wobei jede Form der Tierhaltung immer nur einen Kompromiss darstellt), aber es ist bei entsprechendem Aufwand auch möglich, Meerschweinchen in Außenhaltung gut zu versorgen. Allerdings ist Außenhaltung per se noch kein Garant für artgerechte Haltung. Das Wichtigste zur Außenhaltung lesen Sie im folgenden Beitrag.



       

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