Warum sich Meerschweinchen und Kaninchen nichts zu sagen haben
von Marion Reich

PeterFrüher galten Meerschweinchen und Kaninchen als ideale Gefährten. Es war egal, für welches Geschlecht man sich entschied, Nachwuchs war in jedem Fall ausgeschlossen - und die Tiere waren nicht allein und konnten einander Gesellschaft leisten.

Heute weiß man, dass die gemeinsame Haltung von Meerschweinchen und Kaninchen viele Probleme mit sich bringt und dass sie überhaupt nicht artgerecht ist. Sowohl Meerschweinchen als auch Kaninchen sind soziale Tiere, aber sie brauchen mindestens einen Artgenossen zum Zusammenleben. Ein Meerschweinchen und ein Kaninchen zusammen gehalten führt nur dazu, dass sie gemeinsam einsam sind! Aus diesem Grund ist diese Haltungsform in Österreich durch das Tierschutzgesetz verboten.

Wildkaninchen stammen ursprünglich von der Iberischen Halbinsel. Sie leben in selbt gegrabenen Höhlen, in denen sie auch ihre Jungtiere großziehen. Die Jungen sind Nesthocker, das heißt, sie werden vollkommen hilflos geboren und verbringen ihre erste Lebenszeit sicher im Kaninchenbau. Kaninchen sind dämmerungsaktiv, das heißt, sie sind in der Morgen- und Abenddämmerung hochaktiv.
Kaninchen haben keine so ausgeprägte Lautsprache wie Meerschweinchen, aber in einer harmonischen Gruppe putzen sich die Tiere gegenseitig und schlafen auch aneinander gekuschelt.
Eine auch nur halbwegs artgerechte Haltung von Kaninchen ist sehr aufwändig. Die Tiere haben ein sehr großes Bewegungsbedürfnis, wesentlich größer als das von Meerschweinchen. Käfighaltung ist für Kaninchen keine Lösung, die Haltung in der Wohnung schwierig, weil die Tiere neben ihrem Laufbedürfnis auch ihr Grabebedürfnis ausleben können sollten. Kaninchen, die nicht optimal gehalten werden, können leicht ein enormes Zerstörungspotential entwickeln.

BenjiMeerschweinchen stammen aus Südamerika. Sie leben unter Felsvorsprüngen, Büschen und auch in verlassenen Bauten, die andere Tiere angelegt haben. Sie graben selbst nicht, sondern scharren nur im Boden (bzw. in der Einstreu). Meerschweinchen haben eine sehr ausgeprägte Lautsprache. Gegenseitige Fellpflege und Schlafen mit intensivem Körperkontakt wird bei Meerschweinchen nur selten gezeigt. Nur Jungtiere schlafen aneinandergekuschelt. Junge Meerschweinchen sind Nestflüchter. Die Babys kommen nach einer für Nagetiere langen Trächtigkeit weit entwickelt zur Welt und können der Gruppe praktisch von Anfang an folgen.
Bei Meerschweinchen wechseln Ruhe- und Aktivitätsphasen einander ab. Sie haben zwar auch ein Aktivitätsmaximum in den Dämmerungszeiten, aber nicht so ausgeprägt wie Kaninchen. Dadurch kann es durchaus dazu kommen, dass Meerschweinchen beim ersten Abendnickerchen von den Kaninchen mit ihrer Aktivität gestört werden.

Meerschweinchen und Kaninchen haben eine grundlegend andere Form der Kommunikation mit Artgenossen, was durchaus zu Missverständnissen führen kann. Außerdem leidet das sehr empfindliche Gehör der Kaninchen bei gemeinsamer Haltung unter dem Gefiepe und Gequietsche der Meerschweinchen. Die gemeinsame Haltung führt häufig dazu, dass Meerschweinchen zu wenig Futter bekommen oder von den viel größeren Kaninchen bedrängt werden. Im besten Fall ignorieren Meerschweinchen und Kaninchen einander und leben nur nebeneinander her.

Möchte man wirklich Meerschweinchen und Kaninchen halten, sollte man sich zunächst genau über die Haltungsvoraussetzungen für beide Tierarten informieren und prüfen, ob man den Anforderungen einer artgerechten Tierhaltung wirklich gerecht werden kann. Neben einem hohen Platzbedarf ist dafür Rechnung zu tragen, dass die Tiere unterschiedliche Rückzugsmöglichkeiten haben und Meerschweinchen immer ein Plätzchen zur Verfügung haben, an dem sie keinen Kontakt mit den Kaninchen haben müssen.
Ist das nicht gegeben, sollte man sich für Meerschweinchen oder Kaninchen entscheiden. Sie sind beide entzückende Tierarten.


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