Früher
galten Meerschweinchen und Kaninchen als ideale Gefährten.
Es war egal, für welches Geschlecht man sich entschied, Nachwuchs
war in jedem Fall ausgeschlossen - und die Tiere waren nicht allein
und konnten einander Gesellschaft leisten.
Heute
weiß man, dass die gemeinsame Haltung von Meerschweinchen
und Kaninchen viele Probleme mit sich bringt und dass sie überhaupt
nicht artgerecht ist. Sowohl Meerschweinchen als auch Kaninchen
sind soziale Tiere, aber sie brauchen mindestens einen Artgenossen
zum Zusammenleben. Ein Meerschweinchen und ein Kaninchen zusammen
gehalten führt nur dazu, dass sie gemeinsam einsam sind!
Aus diesem Grund ist diese Haltungsform in Österreich durch
das Tierschutzgesetz verboten.
Wildkaninchen stammen ursprünglich von der Iberischen
Halbinsel. Sie leben in selbt gegrabenen Höhlen, in denen
sie auch ihre Jungtiere großziehen. Die Jungen sind Nesthocker,
das heißt, sie werden vollkommen hilflos geboren und verbringen
ihre erste Lebenszeit sicher im Kaninchenbau. Kaninchen sind dämmerungsaktiv,
das heißt, sie sind in der Morgen- und Abenddämmerung
hochaktiv.
Kaninchen haben keine so ausgeprägte Lautsprache wie Meerschweinchen,
aber in einer harmonischen Gruppe putzen sich die Tiere gegenseitig
und schlafen auch aneinander gekuschelt.
Eine auch nur halbwegs artgerechte Haltung von Kaninchen ist sehr
aufwändig. Die Tiere haben ein sehr großes Bewegungsbedürfnis,
wesentlich größer als das von Meerschweinchen. Käfighaltung
ist für Kaninchen keine Lösung, die Haltung in der Wohnung
schwierig, weil die Tiere neben ihrem Laufbedürfnis auch
ihr Grabebedürfnis ausleben können sollten. Kaninchen,
die nicht optimal gehalten werden, können leicht ein enormes
Zerstörungspotential entwickeln.
Meerschweinchen
stammen aus Südamerika. Sie leben unter Felsvorsprüngen,
Büschen und auch in verlassenen Bauten, die andere Tiere
angelegt haben. Sie graben selbst nicht, sondern scharren nur
im Boden (bzw. in der Einstreu). Meerschweinchen haben eine sehr
ausgeprägte Lautsprache. Gegenseitige Fellpflege und Schlafen
mit intensivem Körperkontakt wird bei Meerschweinchen nur
selten gezeigt. Nur Jungtiere schlafen aneinandergekuschelt. Junge
Meerschweinchen sind Nestflüchter. Die Babys kommen nach
einer für Nagetiere langen Trächtigkeit weit entwickelt
zur Welt und können der Gruppe praktisch von Anfang an folgen.
Bei Meerschweinchen wechseln Ruhe- und Aktivitätsphasen einander
ab. Sie haben zwar auch ein Aktivitätsmaximum in den Dämmerungszeiten,
aber nicht so ausgeprägt wie Kaninchen. Dadurch kann es durchaus
dazu kommen, dass Meerschweinchen beim ersten Abendnickerchen
von den Kaninchen mit ihrer Aktivität gestört werden.
Meerschweinchen
und Kaninchen haben eine grundlegend andere Form der Kommunikation
mit Artgenossen, was durchaus zu Missverständnissen führen
kann. Außerdem leidet das sehr empfindliche Gehör der
Kaninchen bei gemeinsamer Haltung unter dem Gefiepe und Gequietsche
der Meerschweinchen. Die gemeinsame Haltung führt häufig
dazu, dass Meerschweinchen zu wenig Futter bekommen oder von den
viel größeren Kaninchen bedrängt werden. Im besten
Fall ignorieren Meerschweinchen und Kaninchen einander und leben
nur nebeneinander her.
Möchte
man wirklich Meerschweinchen und Kaninchen halten, sollte man
sich zunächst genau über die Haltungsvoraussetzungen
für beide Tierarten informieren und prüfen, ob man den
Anforderungen einer artgerechten Tierhaltung wirklich gerecht
werden kann. Neben einem hohen Platzbedarf ist dafür Rechnung
zu tragen, dass die Tiere unterschiedliche Rückzugsmöglichkeiten
haben und Meerschweinchen immer ein Plätzchen zur Verfügung
haben, an dem sie keinen Kontakt mit den Kaninchen haben müssen.
Ist das nicht gegeben, sollte man sich für Meerschweinchen
oder Kaninchen entscheiden. Sie sind beide entzückende Tierarten.