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Wilde
Abstammung
Hausmeerschweinchen
stammen von den Wildmeerschweinchen (Cavia aparea) ab, die
in weiten Teilen Südamerikas leben. (Das Foto zeigt Argentinische
Wildmeerschweinchen, Cavia aperea pamparum.) Sie bewohnen
Buschlandschaften und Trockensavannen und ernähren sich hauptsächlich
von Gräsern, Blättern und Kräutern. Wildmeerschweinchen
nutzen Bauten, die von anderen Tieren verlassen wurden, oder Mulden
unter Pflanzen als Unterschlupf. Vermutlich graben sie keine eigenen
Höhlen.
Wildmeerschweinchen
sind dämmerungsaktiv wie viele Tiere, die eine große
Zahl an natürlichen Feinden haben. Ihr Fell besitzt die typische
Wildfärbung (Agoutifärbung) mit einigen festen Grannenhaaren,
die bei Gefahr abgestoßen werden können.
Wildmeerschweinchen
leben in kleinen Gruppen, die sich aus einem männlichen Tier
und zwei bis vier weiblichen Tieren mit ihrem Nachwuchs zusammensetzen.
Ein zweites erwachsenes Männchen wird in der Gruppe nicht geduldet,
heranwachsende Männchen werden frühzeitig vertrieben.
Wildmeerschweinchen
haben einen wesentlich zarteren Körperbau als Hausmeerschweinchen
und erreichen ein Gewicht von etwa 500 bis 600 Gramm. Sie besitzen
gerade Ohren und eine spitze Schnauze. Mit ihren kräftigen
Hinterbeinen können sie bis zu 70 Zentimeter hoch springen.
Meerschweinchen
leben schon seit Jahrtausenden in der Gesellschaft von Menschen.
Knochenfunde, die etwa aus einer Zeit von etwa 1000 v. Chr. stammen
und schon alle Merkmale der Domestikation zeigen, legen nahe, dass
Meerschweinchen schon vor dieser Zeit domestiziert wurden. Primär
wurden sie als Fleisch- und Opfertier genutzt.
Hausmeerschweinchen
zeigen die typischen Veränderungen von domestizierten Tieren:
Sie besitzen kleinere Gehirne als Wildmeerschweinchen und haben
eine deutlich verringerte Fluchtdistanz dem Menschen gegenüber.
Hausmeerschweinchen werden größer und schwerer als Wildmeerschweinchen.
Außerdem zeigen Hausmeerschweinchen eine Vielzahl unterschiedlicher
Fellfarben und Fellstrukturen, die in den letzten Jahrzehnten durch
die gezielte Rassemeerschweinchenzucht noch stark ausgebaut wurde.
Neben
den eigentlichen Meerschweinchen (Cavia) zählen noch
4 weitere Gattungen zur Familie der Meerschweinchenartigen:
das Wieselmeerschweinchen (Galea), das Felsenmeerschweinchen
oder Moko (Kerodon), das Zwergmeerschweinchen (Microcavia)
und der Mara (Dolichotis), bei dem man den Kleinen und den
Großen Mara unterscheidet.
Wie
die Wildmeerschweinchen leben auch die anderen Meerschweinchenartigen
in Südamerika. Sie bewohnen meist karge Graslandschaften und
leben wie die Wildmeerschweinchen von nährstoffarmer Kost.
Die unterschiedlichen Arten zeigen aber die verschiedensten Anpassungen
an ihren speziellen Lebensraum. Zwergmeerschweinchen können
zum Beispiel auf Büsche klettern, um an die Blätter zu
kommen, Felsenmeerschweinchen (siehe Foto links) sind geschickte
Springer und Kletterer, sowohl an Felswänden als auch in Bäumen.
Auch
in ihrem Sozialverhalten gibt es deutliche Unterschiede zwischen
den einzelnen Gattungen.
Das graue Wieselmeerschweinchen lebt zum Beispiel in großen
gemischtgeschlechtlichen Gruppen aus mehreren Männchen und
Weibchen. Die Männchen sind relativ verträglich und bilden
eine stabile Hierarchie aus, die vom schwersten Männchen dominiert
wird. Das ranghöchste Männchen ist allerdings nicht das
einzige, das in den Genuss kommt, sich fortzupflanzen. Bei den Wieselmeerschweinchen
paaren sich alle Männchen mit allen Weibchen.
Nicht
so friedlich im Umgang miteinander sind die kleinsten Meerschweinchenartigen,
die Zwergmeerschweinchen, zu denen die Wüstenmeerschweinchen
zählen. Männliche Wüstenmeerschweinchen sind sehr
aggressiv Artgenossen gegenüber und liefern einander erbitterte
Kämpfe, die bis zum Tod des unterlegenen Tieres führen
können.
Der
Große Mara (siehe Foto rechts) dagegen lebt monogam, was bei
Säugetieren selten vorkommt. Große Maras bilden Paare,
die ein Leben lang zusammenbleiben. Die Paarbildung geht dabei primär
vom Männchen aus. Es wählt - kaum ausgewachsen - ein oft
noch nicht geschlechtsreifes Weibchen zum Partner und weicht nicht
mehr von seiner Seite. Das Weibchen wird in Gegenwart anderer Männchen
eifersüchtig bewacht.
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