Eines
von vielen traurigen Kapiteln im Bereich der Mensch-Tier-Beziehung
ist das so genannte Animal Hoarding. Unvorstellbare Fälle
solcher Tierquälerei geistern immer wieder durch die Medien:
Große Mengen an Tieren, die unter schrecklichen hygienischen
Bedingungen hausen, teilweise krank und vollkommen verwahrlost,
manchmal mitten unter Kadavern von bereits verendeten Tieren.
Beim
Animal Hoarding handelt sich um ein krankhaftes Hort von Tieren.
Die Anzahl der Tiere übersteigt die Fähigkeit des "Halters"
bei weitem, sodass weder hygienische noch gesundheitliche Minimalstandards
erfüllt werden. Gleichzeitig fehlt der betroffenen Person
die Einsicht, dass ein Problem vorliegt - und auch welche negativen
Folgen das Animal Hoarding auf die Gesundheit der Tiere aber auch
die Gesundheit des Halters (und unter Umständen vorhandenen
Familienmitgliedern) hat. Es kommt oft zu einem zwanghaften weiteren
Sammeln von Tieren.
Ob
ein Fall von Animal Hoarding bei einer Tierhaltung vorliegt, ist
aber nicht von der Anzahl der gehaltenen Tiere abhängig,
sondern vom Zustand der Tiere, von ihren Haltungsbedingungen und
auch von der psychischen Verfassung des Tierhalters. Animal Hoarding
ist ein psychiatrisch relevantes Problem, das sowohl in der privaten
als auch in der kommerziellen Haltung (Zucht) oder im landwirtschaftlichen
Bereich auftreten kann. Häufig zeigen sich bei den betroffenen
Personen Krankheitsbilder von Demenz, Sucht, Bindungsstörungen
und Zwangserkrankungen.
Animal
Hoarding bleibt häufig lange unentdeckt. In vielen Fällen
gerät die betroffene Person immer mehr in soziale Isolation
und entwickelt ein ausgeprägtes Misstrauen gegen Behörden
und Tierärzte. Die Problematik wird geleugnet, der "Hoarder"
ist davon überzeugt, dass es den Tieren gut geht und dass
es ihnen nirgends sonst besser gehen könnte.
Man
unterscheidet grob vier Typen von "Animal Hoardern":
- Der
Pfleger, der sich anfangs wirklich um die Tiere kümmert
und für den die Tiere einen hohen emotionalen Stellenwert
haben. Nachdem Kastration als Möglichkeit der Geburtenkontrolle
abgelehnt wird und der Halter auch mit der getrennten Haltung
der Tiere unterschiedlichen Geschlechts überfordert ist,
kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung.
-
Der Retter, der die Aufnahme von Tieren als Mission sieht und
überzeugt ist, dass die Tiere nirgends ein so gutes Leben
haben wie bei ihm, sodass keine Tiere weitervermittelt werden.
Außerdem wird Euthanasie strikt abgelehnt, auch wenn sie
aus veterinärmedizinischen Gründen dringend notwendig
wäre.
- Der
Ausbeuter, der Tiere aus kommerziellen Zwecken anschafft und
dem jegliches Schuldbewusstsein fehlt.
- Der
"Züchter", der ohne viel Fachwissen Tiere aus
kommerziellen Gründen vermehrt, häufig gerade die
Tierarten oder Rassen, die gerade in Mode sind. Auch hier steht
das Geldverdienen im Vordergrund.
In
Fällen von Animal Hoarding müssen häufig große
Mengen von Tieren beschlagnahmt werden. Den Helfern bieten sich
oft unvorstellbare Zustände.
Sollten Ihnen Missstände auffallen, die den Verdacht auf
Animal Hoarding nahe legen, sollten Sie mit der zuständigen
Veterinärbehörde Kontakt aufnehmen.
Nach
dem Tierschutzgesetz in Österreich fällt Animal Hoarding
in den Tatbestand der Vernachlässigung. Näheres dazu
lesen Sie hier.