Problem Animal Hoarding
von Marion Reich
nach dem Vortrag "Animal Hoarding am Beispiel der Katze" von Dr. Andrea M. Beetz, Univ. Erlangen-Nürnberg, im Oktober 2008 an der Veterinärmedizinischen Universität Wien

Eines von vielen traurigen Kapiteln im Bereich der Mensch-Tier-Beziehung ist das so genannte Animal Hoarding. Unvorstellbare Fälle solcher Tierquälerei geistern immer wieder durch die Medien: Große Mengen an Tieren, die unter schrecklichen hygienischen Bedingungen hausen, teilweise krank und vollkommen verwahrlost, manchmal mitten unter Kadavern von bereits verendeten Tieren.

Beim Animal Hoarding handelt sich um ein krankhaftes Hort von Tieren. Die Anzahl der Tiere übersteigt die Fähigkeit des "Halters" bei weitem, sodass weder hygienische noch gesundheitliche Minimalstandards erfüllt werden. Gleichzeitig fehlt der betroffenen Person die Einsicht, dass ein Problem vorliegt - und auch welche negativen Folgen das Animal Hoarding auf die Gesundheit der Tiere aber auch die Gesundheit des Halters (und unter Umständen vorhandenen Familienmitgliedern) hat. Es kommt oft zu einem zwanghaften weiteren Sammeln von Tieren.

Ob ein Fall von Animal Hoarding bei einer Tierhaltung vorliegt, ist aber nicht von der Anzahl der gehaltenen Tiere abhängig, sondern vom Zustand der Tiere, von ihren Haltungsbedingungen und auch von der psychischen Verfassung des Tierhalters. Animal Hoarding ist ein psychiatrisch relevantes Problem, das sowohl in der privaten als auch in der kommerziellen Haltung (Zucht) oder im landwirtschaftlichen Bereich auftreten kann. Häufig zeigen sich bei den betroffenen Personen Krankheitsbilder von Demenz, Sucht, Bindungsstörungen und Zwangserkrankungen.

Animal Hoarding bleibt häufig lange unentdeckt. In vielen Fällen gerät die betroffene Person immer mehr in soziale Isolation und entwickelt ein ausgeprägtes Misstrauen gegen Behörden und Tierärzte. Die Problematik wird geleugnet, der "Hoarder" ist davon überzeugt, dass es den Tieren gut geht und dass es ihnen nirgends sonst besser gehen könnte.

Man unterscheidet grob vier Typen von "Animal Hoardern":

  • Der Pfleger, der sich anfangs wirklich um die Tiere kümmert und für den die Tiere einen hohen emotionalen Stellenwert haben. Nachdem Kastration als Möglichkeit der Geburtenkontrolle abgelehnt wird und der Halter auch mit der getrennten Haltung der Tiere unterschiedlichen Geschlechts überfordert ist, kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung.
  • Der Retter, der die Aufnahme von Tieren als Mission sieht und überzeugt ist, dass die Tiere nirgends ein so gutes Leben haben wie bei ihm, sodass keine Tiere weitervermittelt werden. Außerdem wird Euthanasie strikt abgelehnt, auch wenn sie aus veterinärmedizinischen Gründen dringend notwendig wäre.
  • Der Ausbeuter, der Tiere aus kommerziellen Zwecken anschafft und dem jegliches Schuldbewusstsein fehlt.
  • Der "Züchter", der ohne viel Fachwissen Tiere aus kommerziellen Gründen vermehrt, häufig gerade die Tierarten oder Rassen, die gerade in Mode sind. Auch hier steht das Geldverdienen im Vordergrund.

In Fällen von Animal Hoarding müssen häufig große Mengen von Tieren beschlagnahmt werden. Den Helfern bieten sich oft unvorstellbare Zustände.
Sollten Ihnen Missstände auffallen, die den Verdacht auf Animal Hoarding nahe legen, sollten Sie mit der zuständigen Veterinärbehörde Kontakt aufnehmen.

Nach dem Tierschutzgesetz in Österreich fällt Animal Hoarding in den Tatbestand der Vernachlässigung. Näheres dazu lesen Sie hier.


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