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Protokoll
einer Vergesellschaftung
(September bis November)
Vergesellschaftung von einem erwachsenen Weibchen zu einer 5er-Gruppe
Nach
Snoopys Tod sollte Dinih Teil meiner 5er-Gruppe werden. Dinih ist
etwa 3,5 Jahre alt, die übrigen Mitglieder der Gruppe sind
etwa 4 Jahre alt (Freja), etwa 3,5 Jahre alt (Benji), 2,5 Jahre
alt (Lea) und ein knappes Jahr alt (Georgie und Nui). Benji, Lea,
Freja, Georgie und Nui sind seit Dezember 2007 zusammen - eine mäßig
harmonische Gruppe, in der Streit schon an der Tagesordnung steht,
vor allem zwischen Georgie und Nui. Allerdings handelt es sich um
harmlose Streitigkeiten ohne Bissverletzungen. Lea ist das ranghöchste
Weibchen der Gruppe, Nui bildet als Jüngste die "Nachhut".
Mit
der Vergesellschaftung von einem erwachsenen Weibchen in eine Gruppe
betrete ich für mich Vergesellschaftungsneuland. Zum Glück
bringt Dinih als pensionieres Zuchtweibchen einiges an sozialer
Kompetenz und Erfahrung bei Vergesellschaftungen mit. Sie ist allerdings
auch ein ziemlich willensstarkes Weibchen, das sich nicht so leicht
unterordnet, was sich in den Wochen nach der Gruppenzusammenführung
leider bestätigen sollte.
Die
Vergesellschaftung von erwachsenen Weibchen ist
eine langwierige Angelegenheit. Ich hatte schon Fälle, in denen
es zunächst so ausgesehen hatte, als würde alles bestens
über die Bühne gehen - und am 2. oder 3. Tag nach der
Vergesellschaftung kam es dann zu einer Eskalation, die unter Umständen
dazu führte, dass man die Tiere wieder trennen musste. Es ist
bei jeder Vergesellschaftung wichtig, Ruhe zu bewahren und sich
möglichst nicht einzumischen - man sollte die Tiere an den
ersten Tagen (und Wochen) aber auch immer im Auge behalten, damit
man notfalls doch eingreifen kann, sollte es zu schlimmen Auseinandersetzungen
oder gnadenlosem Mobbing kommen.
Im
Fall von Dinih kam es nach ziemlich genau einem Monat, den alle
sechs großteils friedlich gemeinsam verbracht hatten, zu einer
Eskalation. Um die für alle Gruppenmitglieder sehr stressige
Situation zu beenden, nahm ich Dinih gemeinsam mit Georgie, dem
Weibchen, mit dem sich Dinih augenscheinlich am besten vertragen
hatte, aus der Gruppe. Während die verbleibende 4er-Gruppe
mit sehr ruhigem Verhalten reagierte (aber trotzdem bei Freja und
Benji Stressanzeichen, wie Gewichtsverlust bzw. leichter Durchfall
zu bemerken waren), zeigte ich sehr schnell, dass eine Haltung von
Dinih und Georgie als Zweiergruppe für keine von ihnen eine
gute Lösung war. Darum brachte ich die Gruppe nach zwei Wochen
nochmals zusammen. Die erste Integration verlief problemlos. Natürlich
machten Lea und Dinih praktisch dort weiter, wo sie zwei Wochen
vorher aufgehört hatten - aber diesmal konnten sie die Fronten
klären. Diese erste Zeit, in der sie wieder zusammen waren,
war besonders für Lea sehr stressig - sie war einige Male in
der Nacht am Zirpen, aber zum Glück kehrt doch bald Ruhe ein
- und so wie es aussieht, konnte Lea ihre Position als ranghöchstes
Weibchen gegen die ältere und größere Dinih doch
noch verteidigen.
| Tag
0 |
Snoopy
muss eingeschläfert werden. Dinih bleibt allein zurück.
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| Tag
1, 2 |
Dinih zieht in dem großen Gruppenkäfig ein, ist aber
durch Gitter von den anderen getrennt (kleiner Käfig, links
hinten). So kann sie ihre zukünftigen Gruppenmitglieder
ein bisschen kennen lernen und umgekehrt.
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| Tag
3 |
Die
Vergesellschaftung findet in einem Zimmerfreilaufgehege statt.
Ausgestattet ist das Gehege mit 6 Kuschelrollen, eine für
jedes Schweinchen, einem großen Heuhaufen und einer Wasserflasche
(für meine besonders durstigen Damen Freja und Lea). Kuschelrollen
sind bei Vergesellschaftungen besonders geeignet, weil sich
die Tiere damit weder selbst noch gegenseitig verletzten können.
Auf keinen Fall eine urindichte Unterlage vergessen! Und es
macht sich auch bezahlt, die Seitenteile des Zimmerfreilaufgeheges
zumindest teilweise mit Handtüchern oder ähnlichem
abzudecken, damit man im Falle einer wilden Herumspritzerei
einen Schutz der Umgebung des Geheges hat.
Zunächst wird Dinih am Arm Nui und danach Lea vorgestellt,
dann kommt Benji dazu. Alle vier werden dann in den Zimmerfreilauf
gesetzt. Dinih verzieht sich in eine Kuschelrolle, in der
sie auch den größten Teil des Tages verbringt,
die anderen beachten sie anfangs kaum, beschnuppern sie aber
interessiert, wenn sie in ihre Nähe kommen. Es gibt kein
wildes Gebeiße, Gejage oder sonstige offensichtlich
aggressiven Verhaltensweisen.
Nachdem der 1. Schritt so gut gelaufen ist, kommt Freja dazu
in den Freilauf - und nach einer Weile Georgie. Nachdem ich
Georgie bis jetzt für das aggressivste Weibchen meiner
Gruppe gehalten hatte, habe ich mich dazu entschlossen, sie
als letzte dazuzuholen und vorher die Reaktion der anderen
zu beobachten.
Aber
es bleibt friedlich! Dinih versucht sich möglichst unsichtbar
zu machen, stoßt die typischen "Alarmanlagen"-Schreie
aus, wenn ihr eines der anderen zu aufdringlich wird, aber
sonst herrscht ziemliche Ruhe. Bald wird auch ein bisschen
gemeinsam Heu gefressen, etwas später gibt es eine Runde
Endiviensalat.
Alles
in allem verläuft der Tag zwar sehr anstrengend für
alle Beteiligten (die Zweibeinigen mit eingeschlossen ;-),
aber durchaus friedlich. Der Blumensprüher, unverzichtbares
Hilfsmittel bei jeder Vergesellschaftung, kommt kein einziges
Mal zum Einsatz.
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von
links nach rechts:
Nui (in Kuschelrolle), Freja, Lea, Benji und Georgie, Dinih
(cremefarbig, in der rechten vorderen Kuschelrolle)


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| Gegen
Abend beschließe ich, die Herrschaften aus dem Zimmerfreilauf
herauszunehmen und wieder in den Käfig, der in der Zwischenzeit
gründlich gereinigt und frisch eingestreut wurde, zu setzen.
Allerdings werden die beigestellten Käfige durch ein Zimmerfreilaufareal
ersetzt, damit die Schweinchen weniger Gelegenheit haben, sich
gegenseitig in die Enge zu treiben. |
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| Tag
4 |
Die
Gruppe ist unter zeitweiser Beaufsichtigung. Nui versucht sich
immer wieder Dinih gegenüber aufzuspielen und es gibt einige
spannungsgeladene Momente, aber keine handfesten Auseinandersetzungen.
Dinih verhält sich ziemlich "reserviert" und
geht den anderen möglichst aus dem Weg. |
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| Tag
5 |
Georgie
ist brünstig und hinter Dinih her (so wie sie sonst hinter
Lea her ist), aber es lässt sich kein aggressives Verhalten
erkennen. Alle wirken etwas erschöpft von den Strapazen
der letzten Tage. Dinih geht den anderen nicht mehr ganz so
sehr aus dem Weg, obwohl sie immer noch häufig Distanz
hält. |

Benji und Dinih
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| Tag
6 |
Die
Gruppe übersiedelt wieder in den gewohnten Käfig,
statt des Zimmerfreilaufs werden die üblichen 2 1-Meter-Käfige
an den 1,40er-Käfig gestellt, mit einem schmalen Gang dazwischen,
der zum Zimmerfreilauf führt.
Im
Großen und Ganzen ist es ruhig in der Gruppe, Freja
und Georgie verhalten sich Dinih gegenüber meistens freundlich,
Nui macht sich Dinih gegenüber wichtig. Benji leidet
etwas darunter, dass Dinih nicht brünstig ist und von
seinen Annäherungsversuchen nicht viel hält - dafür
landet des öfteren eine ordentliche Portion Harn in seiner
Richtung - Dinih verleiht dem Ausdruck Harnspritzen eine neue
Bedeutung.
Am Abend gibt es den ersten gemeinsamen Freilauf in der Wohnung.
Dinih ist begeistert mit bei der Sache.
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| Tag
7, 8 |
keine
wesentliche Änderung der Situation, es herrscht ziemliche
Ruhe; |
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| Tag
9 |
Am
Abend kommt es zu mehreren kleinen Auseinandersetzungen zwischen
Dinih und Lea, in dem Käfig, den Dinih bevorzugt (und in
dem Leas Lieblingswasserflasche hängt). Nach einigen Situationen,
in denen beide einander heftig bedrohen und dann wieder von
einander ablassen und Heu fressen oder eine Runde schlafen,
kommt es dann doch zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung,
aus der Dinih anscheinend unterlegen hervorgeht. Anschließend
geht sie Lea aus dem Weg und sie meidet auch die anderen Weibchen
der Gruppe wieder etwas mehr. |
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| Tag
10 |
Es
kommt zu keinen weiteren Auseinandersetzungen zwischen Lea und
Dinih, allerdings weicht Dinih Lea soweit möglich aus.
Nui, die sich während der letzten 2 Tage eher unauffällig
verhalten hat, scheucht Dinih ein paar Mal durch die Gegend.
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| Tag
11 |
Dinih
und Freja haben eine kleine Auseinandersetzung, vermutlich von
Dinih angezettelt. Im Anschluss sucht Dinih auch wieder die
Konfrontation mit Lea. |
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| Tag
12 |
Dinih
frisst das Gemüsefrühstück erstmals fast vollständig
im Hauptkäfig. Einmal sitzt sie dabei sogar direkt neben
Lea. Das geht aber nicht lange gut. Nach kurzem gegenseitigen
Drohen räumt Dinih das Feld und lässt sich die Gurke
im Nachbarkäfig schmecken. |
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| im
Laufe der nächsten Wochen |
Es
waren durchaus nervenaufreibende Zeiten, sowohl für Dinih,
aber auch für die anderen Weibchen der Gruppe. Auch Benji
hatte es nicht leicht, denn fünf Weibchen sind für
ein Männchen schon viel - vor allem, wenn es doch immer
wieder darum geht, Streitigkeiten zu schlichten. Und auch für
Mensch waren die letzten Wochen nicht immer einfach. Zwischenzeitlich
konnte man aber eine leichte Entspannung beobachten. Das Problem
ist nur, dass Dinih offensichtlich Lea nicht als ranghöchstes
Weibchen akzeptiert, Lea aber auch vor Dinih nicht freiwillig
kapituliert. So kommt es zwischen den beiden (nach fast einem
Monat des großteils friedlichen Zusammenlebens) doch immer
wieder zu heftigen Drohgebärden und auch zu Beißereien. |
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| Tag
29 |
Lea
hat eine leichte Bissverletzung am Ohr. |
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| Tag
31 |
Lea
hat eine leichte Bissverletzung am linken Auge. |
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| Tag
32 |
Es
herrscht ziemlicher Stress innerhalb der Gruppe. Die Tatsache,
dass Lea und Dinih sich nicht darauf einigen können, wer
im Rang höher steht, wirkt auf alle Gruppenmitglieder sehr
beunruhigend, besonders auch auf Benji. Benji attackiert sogar
(scheinbar) völlig grundlos Georgie, das Weibchen, das
sich am besten mit Dinih versteht.
Nachdem
die Situation zu eskalieren droht und um den Tieren weiteren
Stress zu ersparen, wird Dinih mit Georgie aus der Gruppe
genommen.
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| im
Laufe der nächsten zwei Wochen |
Dinih
und Georgie sind zusammen untergebracht, getrennt von den anderen
Schweinchen. Georgie, die nicht gewöhnt, nur ein weiteres
Tier als Gesellschaft zu haben, verhält sich extrem aufdringlich
und ist offensichtlich unglücklich. Dinih, die sich bisher
mit Georgie gut verstanden hat, geht ihr möglichst aus
dem Weg.
Nachdem
auch diese Situation zu viel Stress bedeutet, beschließen
wir, noch eine Gruppenzusammenführung zu wagen.
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| Tag
47 |
Dinih
und Georgie werden wieder mit Benji, Lea, Freja und Nui zusammengeführt.
Dazu wird wieder ein Zimmerfreilauf aufgebaut. Zunächst
wird Georgie zur Gruppe gesetzt, nach wenigen Minuten auch Dinih.
Georgie ist nach recht kurzer Zeit wieder fast vollständig
in die Gruppe integriert. Bei Dinih dauert es ein bisschen länger
- und Lea ist alles andere als erfreut, dass Dinih wieder da
ist.
Nachdem
sich der Käfigaufbau als nicht optimal erwiesen hat,
weil sich die Tiere zu sehr gegenseitig in die Enge treiben
konnten, wird ein neuer Käfigaufbau ausprobiert. Es werden
der 1,40er-Käfig und drei 1-Meter-Käfige kombiniert.
Diesmal
bleibt die Gruppe nur so lange im Freilaufgehege, wie der
Aufbau der neuen Anlage dauert. Es werden auch nicht alle
Käfige frisch gemacht, denn die Tiere kennen einander
ja schon. Der Umzug in die neue Käfiganlage verläuft
problemlos.
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| im
Laufe der nächsten zwei Wochen |
Dinih
und Lea machen dort weiter, wo sie zwei Wochen vorher aufgehört
haben. Allerdings kommt es diesmal zu keinen Verletzungen. Anfangs
ist Lea sehr gestresst, aber nach ein paar Tagen entspannt sich
die Lage sichtlich. Und es kommt kaum mehr zu Streit zwischen
Lea und Dinih. Allerdings hat man auch nicht den Eindruck, dass
sie einander aktiv aus dem Weg gehen. Natürlich gibt es
immer wieder Streit, besonders wenn eines der Weibchen brünstig
ist, aber wir wollen hoffen, dass die Gruppe jetzt zu einer
stabilen Einheit zusammenwachsen kann.
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von
links nach rechts: Georgie, Dinih, Benji, Lea, Freja und Nui
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| einige
Monate später |
Es
hat eine Weile gedauert, aber mittlerweile hat sich die Situation
in der Gruppe wirklich entspannt. Dinih geht Lea zeitweise noch
immer etwas aus dem Weg - der Käfig ist ja groß genug
- aber Streit gibt es kaum mehr. Anders zwischen Freja und Dinih,
die sich zeitweise gut verstehen und friedlich nebeneinander
fressen und sich zeitweise aber auch dick aufplustern und wütend
anklappern. |
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