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Liebe macht Meerschweinchen dümmer

So lautet die Überschrift eines Beitrags, der am 12. Jänner 2011 auf dieuniversitaet-online.at erschienen ist. Und seither geistert sie durch die Medien - die Nachricht, dass einzeln lebende Meerschweinchen ein deutlich besseres räumliches Lern- und Erinnerungsvermögen haben als Paare. Heißt das jetzt, dass Meerschweinchen in Einzelhaltung besser aufgehoben wären?

Bei der Studie an der Universität Wien wurde von einem Forscherteam um Ivo Machatschke vom Department für Verhaltensbiologie das Lern- und Erinnerungsvermögen von Meerschweinchen untersucht - und zwar in Hinblick auf die Auswirkungen des "Verliebtseins". Denn eine frühere Studie hatte gezeigt, dass Meerschweinchen, die als Paare gehalten wurden, einen höheren Oxytocin-Wert hatten als einzeln gehaltene Tiere. Und Oxytocin gilt als "Liebes- und Glückshormon". Die verstärkte Freisetzung verschiedenster Hormone und Neurotransmitter beeinflusst auch das Verhalten der Tiere.
Getestet wurde das räumliche Lern- und Erinnerungsvermögen mithilfe eines Labyrinths, in dem jeweils an der gleichen Stelle Futter platziert wurde. Verglichen wurde das Verhalten von einzeln gehaltenen Tieren und Tieren, die sich erst vor kurzem kennen gelernt hatten. Während die einzeln gehaltenen Tiere im Laufe von fünf Tagen die Lernleistung deutlich verbessern konnte, zeigten die frisch Verpaarten keine Verbesserung ihrer Leistung. Sie waren zu sehr auf den Partner fixiert, um sich auf die Aufgabe konzentrieren zu können. (Allerdings sind auch die Pärchen in der Lage, sich räumliche Informationen zu erarbeiten. Sie schneiden in den Tests nicht schlechter ab als Ratten.)

Untersucht wurde aber auch die Stressbelastung der Tiere - und auch hierbei schnitten die Paare schlechter ab als die einzeln gehaltenen Tiere, gemessen am Nebennierenhormon Cortisol. Eine mögliche Ursache dafür: "Einzeln gehaltene Meerschweinchen wiesen vor dem Experiment wesentlich geringere Werte als Paare auf. Dies deutet auf einen weniger stark belasteten Hippocampus - den Ort im Gehirn, an dem Informationen verschiedener sensorischer Systeme zusammenlaufen - und damit bessere Verarbeitung räumlicher Information hin", so Machatschke (Zitat: dieuniversitaet-online.at).

Das Ergebnis deutet aber nicht darauf hin, dass Paarhaltung für Meerschweinchen generell nicht vorteilhaft ist, denn langfristig in einer Beziehung lebende Meerschweinchen waren den einzeln Gehaltenen überlegen. Es bestätigt einfach die Erfahrungswerte aus der Meerschweinchenhaltung, dass Meerschweinchen kurz nach einer Verpaarung sehr miteinander beschäftigt sind - und auch mehr Stress haben, als wenn sich die Wogen wieder geglättet haben und man einander besser kennen gelernt hat.
Untersuchungen zu den Auswirkungen von Stress bei Meerschweinchen von der Arbeitsgruppe um Norbert Sachser an der Universität Münster haben ja schon herausgefunden, dass Artgenossen Stress reduzieren können. Bei einer Studie wurde der Stress von erwachsenen Böcken in einer unbekannten Situation gemessen - allein und zusammen mit Weibchen. War das Lieblingsweibchen (Bindungspartner) anwesend, wirkte es deutlich beruhigend auf das Männchen (und umgekehrt) und der Stresslevel in dieser Situation stieg nicht so stark an. Unbekannte Weibchen hatten dagegen keinen stressreduzierenden Effekt. Diese Ergebnisse sprechen als ganz deutlich gegen Einzelhaltung! Denn Meerschweinchen sind nun einmal soziale Tiere, die sich nur in Gegenwart von mindestens einem Artgenossen wohl fühlen - vorausgesetzt, sie haben ihn richtig lieb gewonnen.

Und dass Verliebte nicht gerade die größten Geistesleistungen vollbringen ... dazu brauchen wir gar nicht erst auf Meerschweinchen zu schauen.

 

Text & Foto: Marion Reich

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