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Gastkommentar
Der neue Heimtierpark im Tiergarten Schönbrunn
Mag. Marie-Helene Scheib
Verein Tierschutz macht Schule
"Tierquälerei
beginnt schon bei der Missachtung der natürlichen Bedürfnisse
von Tieren. Diese Missachtung geschieht meist unbeabsichtigt. Sie
beruht auf Unkenntnis vieler Tierhalter um die natürlichen
Bedürfnisse der Tiere."
Prof. Dr. Helmut Pechlaner
Das
Bundesgesetz über den Schutz der Tiere besagt, dass der Mensch
aus seiner besonderen Verantwortung dem Tier als Mitgeschöpf
gegenüber die Verpflichtung hat das Leben und Wohlbefinden
des Tieres zu schützen (§ 1 des Tierschutzgesetzes - TSchG).
Das
Wort "Mitgeschöpf" ist ein Begriff aus der Tierethik
und bedeutet, dass dem Tier Leidensfähigkeit zugesprochen wird
und es Anrecht auf respektvolle und faire Behandlung hat. Wenn nun
der Mensch das Wohlbefinden des Tieres schützen soll, so bedeutet
das nicht nur die Vermeidung von Schmerz, Leid, Schaden oder schwerer
Angst für das Tier, sondern auch die Befriedigung seiner Bedürfnisse.
Und das ist leichter gesagt als getan! Denn was sind denn nun "tierische
Bedürfnisse"?
Der
Tiergarten Schönbrunn versucht gemeinsam mit dem Verein "Tierschutz
macht Schule" und dem Verein e.motion Equotherapie Antworten
auf diese Frage zu geben. Im neu eröffneten Heimtierpark im
Tiergarten Schönbrunn gehen wir den Bedürfnissen von Heimtieren
(zB Wellensittichen, Meerschweinchen, Kaninchen) auf den Grund.
Mit gezielter Besucherinformation möchten wir so wichtige Fragen
wie
"Was bedeutet tiergemäße Haltung?",
"Gibt es die überhaupt?",
"Woran erkenne ich, dass sich mein Tier wohl fühlt?" oder
"Unter welchen Voraussetzungen kann ich die Tiere überhaupt
halten?" beantworten.
Willkommen
im Heimtierpark!
Die Besucher des Heimtierparks entdecken die unterschiedlichsten
Heimtiere in abwechslungsreichen Behausungen. Sie erfahren spannende
Geschichten rund um unsere beliebtesten und vielgeliebten Haustiere
und lernen dabei die Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Tiere
kennen.
Mit Rätseln, interaktiven Tafeln und Themenworkshops finden
die Kinder und Erwachsenen ganz nebenbei Antworten auf so wichtige
Fragen wie "Was bedeutet es Verantwortung für ein Tier
zu übernehmen?", "Will ich das wirklich?" und
"Geht es meinem tierischen Freund auch gut bei mir?"
Eltern
lernen neue Facetten der Heimtiere kennen und es kommt zu vielen
"Aha-Erlebnissen". Zum Beispiel, dass es Kaninchen auch im Winter
gut im Freien aushalten. Oder dass Wellensittiche große Volieren
oder zumindest viele Stunden pro Tag Freiflug brauchen. Ach ja und
Schildkröten mögen als Trockenbewohner am liebsten Gras
und Kräuter, aber kein süßes Obst!
Nicht zu vergessen die Meerschweinchen: Sie dürfen nur gemeinsam
mit ihren Artgenossen gehalten werden, brauchen viel Platz, Rückzugsmöglichkeiten,
Orte zum Verstecken und die richtige Ernährung.
Die
Großen forschen gemeinsam mit den Kleinen und erkennen, dass
je größer das Wissen über die tierischen Mitbewohner
ist, desto mehr Spaß hat man mit einem familieneigenen Haustier.
Kater
Klaro, ein frecher Comic-Kater, führt die Besucher durch den
Heimtierpark und wirkt als "Brückenbauer" zwischen
Mensch und Tier. Mit lustigen Sprüchen und praktischen Tipps
rund um die Heimtiere erfahren die Besucher viel Neues.
Die
Bewohner des Heimtierparks
Im Heimtierpark tummeln sich Kaninchen, Meerschweinchen, Wellensittiche,
griechische Landschildkröten und Bartagamen. Außerdem
sind Zierfische in einem fischgerechten Aquarium zu sehen. Ein pittoresker
Goldfischteich mit einer wunderschönen Pagode lädt mit
seinen bequemen Rattansesseln zu einer Verschnaufpause ein. Auch
ein Taubenhaus, die Pferdereitbahn und eine, noch im Bau befindliche
Ziegenanlage, gehören zum Gesamterlebnis Heimtierpark.
Kaninchenhügel
und Meerschweinchenland
Ein künstlich aufgeschütteter Hügel ist Lebensraum
für Meerschweinchen und Kaninchen. Der östliche Teil mit
einer Grundfläche von circa 80 m2 ist nur für
die Meerschweinchen gedacht, der Rest der Fläche von circa
150m2 ist das Heim der Kaninchen.
Beide Lebenswelten sind durch einen Besucherweg getrennt, der im
Bereich des Hügelgipfels als unterirdischer Gang zu den Innengehegen
der Meerschweinchen und Kaninchen führt: Über riesige
"Bullaugen" entdecken die Besucher das unterirdische Leben
der Tiere.
Über
Beobachtung erfahren sie was wichtig für die Meerschweinchenhaltung
ist, wie zum Beispiel: Rampen für die Tiere, die es ihnen ermöglichen
von einer Raumebene zur nächsten zu gelangen und so den Raum
auch dreidimensional zu nutzen. Häuschen, Kartons und andere
Deckungsmöglichkeiten und viel Heu und Stroh sind ebenfalls
zu entdecken.
Auch
die Futterzusammensetzung, die vor allem aus Heu, Karotten, Äpfel,
diversen Salatsorten, aber auch Küchenkräutern wie zum
Beispiel aus Petersilie besteht, zeigt wie Meerschweinchen ernährt
werden sollten. Ganz wichtig sind auch täglich frische Zweige
(zB von der Hasel oder der Buche) für Zähne, Beschäftigung
und zum Markieren.
Heimtier-Workshops
Diese Workshops sollen einen tieferen Einblick in die Welt von Burli,
Hoppel und Co geben. Die Tierarten des Heimtierparks können
in diesen Veranstaltungen "näher kennen gelernt"
werden. Dieses Kennenlernen startet im Outdoorbereich mit, vom Workshopleiter
angeleiteten, Beobachtungen. Die neuen Erkenntnisse werden dann
im Indoorbereich mit interaktiven Spielen (Beispiel Heimtierbingo!)
vertieft.
Dann
geht es darum selbst ""Hand an zu legen" und ein bedürfnisgemäßes
Gehege in Eigenregie einzurichten. Der Indoorbereich enthält
zahlreiche Materialien und geeignete Volieren, Käfige usw.,
an denen sich die Workshopteilnehmer austoben können. Außerdem
lernen die Teilnehmer die wichtigsten Bestimmungen des Tierschutzgesetzes
zum thematisierten Tier kennen.
Die
Workshops sind kostenpflichtig, dauern 90 Minuten und eine Anmeldung
im Tiergarten Schönbrunn ist notwendig. Die Workshopteilnehmer
wissen am Ende des Workshops, was artgemäße Tierhaltung
bedeutet, können die Lebensbedingungen ihres eigenen Heimtieres
verbessern bzw. haben eine Entscheidungshilfe, ob für sie ein
Heimtier in Frage kommt.
Wozu
ein Heimtierpark?
Der neue Heimtierpark zeigt, wie vielfältig und spannend unsere
felligen, befiederten und schuppigen Hausgenossen sind. Außerdem
wollen wir Bewusstsein für die Bedürfnisse von Heimtieren
schaffen. Speziell Kinder und Jugendliche sollen durch das Beobachten
und den Kontakt zu den Tieren zu einem respektvollen und verantwortungsvollen
Umgang mit Tieren angeleitet werden.
"Wir
müssen Tiere beobachten, über sie lesen und lernen und
uns mit ihnen beschäftigen. Nur wenn wir ihr Verhalten und
ihre Bedürfnisse verstehen, ist eine tiergemäße
Haltung, die auf Respekt und Achtung vor dem Tier beruht, möglich."
Dr. Cornelia Mülleder, Tierschutzombudsfrau Oberösterreich
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